Sketch History Staffel 4 – Ein trauriges Comeback

Man könnte meinen, nach sechs Jahren Pause würde Sketch History endlich zu der schrägen, anarchischen, tiefschwarzen Comedy zurückkehren, die uns in den ersten drei Staffeln so gut gefallen hat. Stattdessen haben wir Erik Haffner, der uns das liefert, was er schon bei der deutschen Adaption von „Ghosts“ hinbekommen hat: Ein Comedyformat, das sich der humoristischen Selbstzerstörung hingibt. Was für ein Talent!

Der Humor in den ersten Staffeln war ein feines Mosaik aus absurden Gags, tiefschwarzem Humor und anarchischen Ideen, die auch mal an die Grenze gingen. Es war wie eine schöne Monty-Python-Show auf Speed – wild, frech, und manchmal ein bisschen zu schräg für das deutsche Fernsehpublikum. Und was macht Haffner daraus? Eine glattgebügelte, unlustige Farce, die nicht anecken will – und das ist der wahre Horror. Sie könnten es auch „Comedy für Angsthasen“ nennen.

Selbst hervorragende Darsteller wie Matthias Matschke, Carsten Strauch oder Alexander Schubert können gegen das grottenschlechte Drehbuch und die oberlehrerhaften Sketche nicht viel ausrichten. Sie spielen gegen eine Wand aus Witzen, die selbst der kühnste Kabarettist nicht lustig machen könnte. Da wird geschauspielert, als ob die Schauspieler sich gegenseitig vor Scham verstecken – und jeder Witz fühlt sich an wie ein unangenehmer Versuch, möglichst sicher zu bleiben, statt Humor zu wagen.

Die Cast-Neuzugänge machen es nicht besser. Jasmin Schwiers spielt mit der Ausstrahlung eines in der Sonne vergessenen Zettels – hölzern und ohne jedes Gefühl für Timing. Die Gags fliegen an ihr vorbei, als wären sie an einem unsichtbaren Schutzschild abgeprallt. Und Jan van Weyde? Seine Kohl-Parodie erreicht trotz Maske nicht annähernd das Niveau von Parodisten wie Thomas Freitag oder Stephan Wald, die auch ohne Maske mehr Kohl waren, als Van Weyde mit voller Schminke je erreichen wird.

Wirklich lobenswert ist nur Max Giermann, der sich bei diesem Desaster nicht hat einspannen lassen. Vielleicht wollte er nicht sehen, wie sein „Vermächtnis“ bei Sketch History in den Abgrund gestürzt wird. Sein Verzicht auf die vierte Staffel lässt ihn als wahren Helden der Serie dastehen.

Man fragt sich übrigens wirklich, ob die Darsteller Gagen oder Schmerzensgeld bekommen haben, wenn sie für so einen Quatsch vor der Kamera stehen müssen. Es wäre zumindest eine faire Entschädigung.

Am Ende bleibt nur eins: Sketch History Staffel 4 wird das gleiche Schicksal ereilen wie die 9. Staffel von Scrubs. Fans dieser Show wissen genau, was das bedeutet: Die 9. Staffel existiert eigentlich nicht. Sie ist so schlecht, dass man sie lieber verdrängt, sie einfach aus dem Gedächtnis streicht und für immer ignoriert. Eine Staffel, die so weit von der DNA der Serie entfernt ist, dass man sich fragt, ob sie wirklich Teil des Originals war. Und genau das wird auch Sketch History Staffel 4 ergehen. Ein Comeback, das keines war.

Am Ende bleiben uns die ersten drei Staffeln, um uns an ihrem Humor zu erfreuen und zu vergessen, dass es je eine vierte Staffel gegeben hat.
Man darf allerdings gespannt sein, welches Humor-Format Erik Haffner als nächstes öffentlich zugrunde richtet…

Author: -th-

Jahrgang 1976, Musiker, Mentalist und Autor mit ausgeprägter Neigung zu sinnlosen Fakten und sinnvollen Meinungen. Lebt in Köln, ist aber keiner von dort – was ihm die Stadt erstaunlich wenig übelnimmt. Unverheiratet, aber in einer festen Beziehung mit Film, Serie und Hörspiel. Wenn er nicht auf Bühnen steht oder in Tastaturen hämmert, schwafelt er über Kabarett, alte TV-Schätze und die Welt im Allgemeinen – vorzugsweise bei einem gut gelaunten Kölsch. Hält sich selbst für witziger, als er tatsächlich ist, findet das aber völlig in Ordnung.

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